Kidical Mass am 20.06. – „letzte“ Informationen

Jetzt ist es tatsächlich soweit, wir fahren die erste Kidical Mass im Jahr 2021!
Los geht’s schon am kommenden Sonntag um 15 Uhr auf dem Platz an der Stubengasse. Also putzt eure Räder, malt Schilder, schmückt Anhänger, Lastenräder und Lenker, so dass wir wieder gemeinsam ein Zeichen für sicheren Radverkehr für Kinder und Jugendliche in Münster setzen können.
Außerdem wollen wir natürlich eine Menge Spaß beim Fahren auf der Fahrbahn haben.

Route
Unsere Route führt von der Stubengasse Richtung Ludgerikreisel, am Bahnhof vorbei, über die Wolbecker Str. und zurück über die Warendorfer Str. Richtung Bült.

Am Theater findet ein Stopp statt (siehe unten) bevor wir einmal durch das Kreuzviertel fahren und dann Richtung Überwasserkirche zurückkehren.

Musik
Wollt ihr ein bestimmtes Lied hören? Meldet euren Musikwunsch unter info@kidicalmass-muenster.org

#MuensterMovesGreen
Studierende der Sportwissenschaften führen gerade ein Projekt durch, bei dem es um die Verknüpfung von sportlichen Aktivitäten und Umwelt-/Klimaschutz geht. Wer über unserer Tour eine Story bei Instagram postet und @muenstermovesgreen erwähnt, kann einen kleinen Preis gewinnen.

Hier noch ein paar Links für mehr Informationen:

https://www.instagram.com/muenstermovesgreen/
https://www.radioq.de/2021/06/wie-ihr-sport-und-umweltschutz-verbinden-koennt/
https://www.uni-muenster.de/Sportwissenschaft/aktuelles/2021/MuensterMovesGreen.html

Start und Ablauf
Ab Stubengasse um ~ 15 Uhr fährt die Kidical Mass 9 km Strecke in einem Tempo, bei dem alle mithalten können. Beim Zwischenhalt am Theater, der für 15.45 Uhr geplant ist, können weitere Kinder zusteigen, die gerne eine kürzere Strecke fahren wollen. So kann jede:r die richtige Länge individuell planen.
Gemeinsam kommen wir dann wieder am Platz an der Überwasserkirche an.
Am Theater machen wir nicht nur kurz Pause, sondern hören auch noch kurze Wortbeiträge. Möchtet ihr gerne etwas sagen? Gerne! Dann meldet euch doch unter info@kidicalmass-muenster.org!

Corona & Schutzmaßnahmen
Bei der Kidical Mass achten alle an Start, Ziel und unterwegs auf genug Abstand, die Teilnehmenden werden aufgefordert einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Touren finden in enger Abstimmung mit den örtlichen Behörden statt. Die aktuellen Corona Entwicklungen werden genau beobachtet und entsprechend verantwortungsbewusst gehandelt.
Außerdem stellen wir einen QR-Code der Corona Warn App zur Verfügung – dort könnt ihr einchecken, um so – im Fall der Fälle – eine Kontakverfolgung zu

Offener Brief an OB Lewe zur aktuellen Situation von Fuß gehenden und Rad fahrenden Menschen auf Münsters Straßen

Uns erreichte gestern ein Brief einer Bürgerin aus Münster, den diese an den OB Markus Lewe richtet. Im Brief wird auf die einschneidenden Auswirkungen des Schneefalls der letzten Woche aufmerksam gemacht. Viele Menschen können nur unter erheblichen Mühen ihr familiäres Leben oder den Weg zur Arbeit organisieren. Nicht nur, dass offensichtlich sehr viel dafür getan wurde, dass der Autoverkehr reibungslos fließen kann, wurde dadurch die (schon vorher durch das Gehwegparken schlechte) Situation für Radverkehr und Fußverkehr weiter verschärft. Im Straßenraum entstehen durch die offensichtlich niedrige Priorisierung des Radverkehrs lebensgefährliche Situationen und gleichzeitig müssen sich mutige Fahrbahnfahrer:innen vom Autoverkehr bedrängen und gefährden lassen.
Die Autorin beklagt die Doppelmoral der Stadtführung unter OB Lewe, der sich zu Marketingmaßnahmen gerne mit seiner „Leeze“ ablichten lässt, aber in dieser außergewöhnlichen Wettersituation seine Funktion als Stadtoberhaupt nicht ausfüllt.

Wir als das Team der Kidical Mass kennen diese Situationen aus der letzten Woche sehr gut und wünschen uns – unter den zugegeben schwierigen Bedingungen – mehr Einsatz und Bekenntnis für den Radverkehr, der ja so ein elementarer Bestandteil des Verkehrs in Münster ist. Wir wünschen uns auch eine ehrliche Kommunikation durch die mit der mit der Räumung beauftragten AWM und keine beschwichtigenden Zusammenhalt-Appelle.

OB Markus Lewe, der immer gerne als Botschafter das Fahrradstadt-Fähnchen in den Wind hängt, muss nun Taten folgen lassen, die die letzte Woche nüchtern analysieren und schnell konkrete Maßnahmen ableiten, die Rad und Fuß auch bei extremen Wetterlagen Raum und Sicherheit auf Münster Straßen geben.

Den offenen Brief veröffentlichen wir hier gerne im Wortlaut.

Für viele Menschen in diesen Tagen Normalität: kaum zu überwindende Passagen für Fuß gehende Menschen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Lewe,
ich bin sehr wütend und werde diese Wut jetzt konstruktiv nutzen.

Diese letzten Tage waren der Horror auf dem Fahrrad! Nicht einfach nur ein bisschen schlechtes Wetter, sondern schlichtweg lebensgefährlich!

Ich habe volles Verständnis dafür, dass die Stadt durch den vielen Schnee in eine neuartige Situation gebracht wurde. Aber eine neuartige Situation heißt in Deutschland immer und da nimmt sich die hoch gerühmte „Fahrradstadt“ Münster in keiner Weise aus: Verlasst euch nur auf euer Auto. Individualverkehr ist das Zauberwort der aktuellen Stunde.

Die Stadt ist überfordert. Ich habe volles Verständnis. Ich nehme Urlaub, da ich weder mit dem Rad noch mit dem Bus zur Arbeit komme und die Kitas geschlossen sind. Soweit so gut. Erst werden die großen Straßen geräumt. Feuerwehr/Transporte müssen durch. Ich verstehe das. Aber danach hätte es zumindest klar sein müssen, dass fahrradbefahrene Parallelstraßen geräumt werden müssen wie z.B. die Melcherstraße. Aber nein. Wir fahren Ring. Mit den Kindern zur Kita und zur Arbeit und werden von Autofahrern beschimpft und angehupt. Also ob ich mir das aussuchen würde. Ich weiß nicht ob Sie sich vorstellen können, dass es Leute gibt, die auf das Fahrrad angewiesen sind!

Sie lassen sich doch gerne mit Fahrrad ablichten. Sind Sie am Donnerstag/Freitag mal mit dem Fahrrad gefahren oder haben Sie stattdessen den Bus genommen (in Coronazeiten!) oder sind doch lieber mit dem Auto gefahren?

Und von den Fahrradwegen ganz zu schweigen. Die werden im Kreuzviertel leider abtauen oder per Hand freigeschaufelt werden müssen, da Räumfahrzeuge nicht durchkommen werden, da ja maximal ein Meter frei ist zwischen diesen Autoleichen, die jetzt auf dem Bürgersteig stehen und nicht mehr wegkommen. Mir ist bewusst, dass das ein Ausnahmeschnee ist, aber das Grundproblem bleibt das Bürgersteig parken.

Ich lade Sie wirklich herzlich zu einem Spaziergang mit einem Ihrer Enkel auf dem Laufrad/Fahrrad, im Kinderwagen durchs Kreuzviertel ein. Und ich verspreche Ihnen, ich werde besser gelaunt sein! Versuchen Sie mal von der Langemarckstraße zum Flugzeugspielplatz zu kommen. Selbst die Tagesmütter in der Gegend, jeder Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen müssen auf die Straße wechseln bei legal geparkten Autos! Denn eigentlich muss man noch Parkplätze für Fahrräder und Mülltonnen wegnehmen, aber ich will Sie nicht überfordern. Und man muss als Fußgänger nicht nur auf der Straße laufen, sondern man ist auch auf dem Bürgersteig nicht sicher. Um mit Schwung auf den Bürgersteig zu kommen, wird auch gerne mal mit 20 km/h aufgefahren und über 50 m weiter auf dem Bürgersteig gefahren und nein, nicht im Schritttempo!!! Die Kinder stehen mit offenen Augen vor den Scheinwerfern und wissen nicht wo der sichere Ort auf dem Bürgersteig ist. Es gibt keinen!
Bitte lassen Sie Stellen markieren wo geparkt werden darf, aber überlassen Sie das nicht dem Verständnis der Anwohner, die ihre Privatparkplätze vor der Tür verwenden, statt ihre Vorgärten in Parkplätze umzuwandeln.

Und noch etwas, ich habe mehrere Bekannte im Umkreis, die als Paar zwei Autos besitzen und nicht mal ein Auto brauchen, um zur Arbeit zu gelangen. Der Druck ist offensichtlich nicht hoch genug. Es sind einfach zu viele Autos für zu wenig Platz!

Ich bitte Sie, ich flehe Sie an, verschließen Sie die Augen nicht, so kann es nicht weitergehen!

Mit wütenden und sehr besorgten Grüßen

Die Absenderin wünscht keine Nennung ihres Namens in Online-Medien
Der Autoverkehr rollt schon recht ungehindert, Rad und Fuß haben es schwer

Neue Hoffnungen für sicheren Straßenverkehr für alle Menschen in Münster? – Unser Blick auf die beginnende Ratsperiode

Die konstituierende Ratssitzung hat einen ersten Eindruck von den geänderten Mehrheitsverhältnissen in Münster gegeben: Grüne/GAL, SPD und Volt haben einige organisatorische Akzente gesetzt und bekannt gegeben, in Verhandlungen für ein stabiles Ratsbündnis einzusteigen. Betrachtet man die von den drei Parteien im Kommunalwahlkampf aufgestellten Inhalte zur Verkehrspolitik, dürfen sich die Münsteraner:innen auf neue Impulse und geänderte Prioritäten freuen, oder?

Die risiko- und angstfreie Nutzung des städtischen Verkehrsraumes für alle Menschen ist die zentrale Forderung der Kidical Mass Münster. Hinter diesem abstrakten Ziel verbergen sich konkrete Forderungen, die sich wiederum auf falsches Verwaltungshandeln, unausgewogene verkehrsplanerischen Prioritätensetzungen und eine Angst vor einer ernst gemeinten Verkehrswende beziehen.

Zugestellte Sichtachsen und kein Durchkommen für junge Verkehrsteilnehmer:innen (Robert-Koch-Straße, Schul- und Kitaweg)

Der Ausbau der Velorouten und Fahrradstraßen wurde insbesondere durch die Stadt Münster als ein Zeichen besonderen Engagements für die Bedürfnisse der Radfahrenden dargestellt. Für die Alltagswege von Kindern und Jugendlichen haben diese Routen jedoch eine geringere Bedeutung. Wesentlich wichtiger ist der Zustand und die ordnungsrechtliche Behandlung der Bestandsinfrastruktur. In unserer Wahrnehmung hat das hemmungslose Gehwegparken – begünstigt durch die StVO-widrige Dienstanweisung (#LeweMeter) an den kommunalen Ordnungsdienst – einen Zustand erreicht, der keine gleichberechtigte Nutzung anderer Verkehrsarten als dem MIV ermöglicht. Die Stadt Münster hat sich eine Autokultur erzogen, die in der nächsten Ratsperiode mit Nachdruck und steuernde Maßnahmen verändert werden muss. Neuer Wind muss durch das Ordnungsamt wehen, die Dienstanweisung zum Gehwegparken muss ohne Wenn und Aber zurückgezogen werden!

Auch der Fußverkehr ist der Leidtragende des tolerierten Gehwegparkens (Hüfferstr.)

Der Rat sollte auch einen kritischen Blick auf die Bestandsinfrastruktur werfen und sich eingestehen, dass diese in großen Teilen unterdimensioniert, ramponiert und Rad- und Fußverkehr an vielen Stellen zum nachrangigen Bittsteller von Rechten macht (Bettelampeln, „Grüne Welle“). Zur Verbesserung der Infrastruktur gehört der Ausgleich der Flächenungerechtigkeiten im wertvollen Stadtraum, der Aufhebung von Radwegbenutzungspflichten mitsamt von sinnvollen baulichen Maßnahmen zum Schutz des Radverkehrs. Es ist belegt, dass Dooring-Unfälle das größte Risiko für Rad fahrende darstellen. Diese Erkenntnisse sickern aber zu langsam in Rat und Verwaltung und werden auch dann erst mit Verzug als Schutzmaßnahmen auf den Straßen sichtbar.

Radverkehr eingeengt zwischen (illegal) parkenden Autos auf der Hammer Str.

Während unserer Kidical Mass Tour im August hat sich die SPD für starke Investitionen in die Radinfrastruktur ausgesprochen, für Volt sind unsere Forderungen quasi deckungsgleich mit ihrem Wahlprogramm und Grüne/GAL haben von den drei Parteien offenbar die weitestgehende Vision einer autofreien Innenstadt. Das macht uns hoffnungsfroh für den Blick in die Zukunft. Die Diskussionen und Widerstände um den Ausbau der Fahrradstraßen sind jedoch ein Warnsignal. Momentan stellen diese in Ausbau und Nutzung noch keinen geschützten und privilegierten Raum für nicht-motorisierte Menschen dar. Dies ist einerseits ein Zeichen für eine zurückhaltende Implementierung des Konzepts Fahrradstraße und andererseits Ausdruck der Konflikte, die im Vollzug der Verkehrswende in Münster noch ausgetragen werden müssen.

Wir werden die handelnden Akteure, besonders natürlich die Ratsfraktionen und OB Markus Lewe, weiterhin kritisch begleiten und eine laute aber sachliche Stimme bei der Vertretung der Interessen der schutzbedürftigen Verkehrsteilnehmer:innen sein. 

Corona bedingt konnten wir und andere Initiativen zur Verkehrswende leider in diesem Jahr weniger als gewünscht auf der Straße präsent sein. Wir hoffen auf das nächste Jahr, denn es ist wichtig, dass zivilgesellschaftliche Initiativen aktiv und sichtbar sind, Druck aufbauen und Änderungen einfordern.

von Daniel Hügel und Stefan Blume

Kinder aufs Rad – Petition für sicheren Radverkehr in Münster gestartet

Die Maßnahmen zur Einschränkung der Verbreitung des Corona-Virus haben starke Auswirkungen auf unsere Versammlungen und Aktivitäten gehabt. Die Tour zur bundesweiten Kampagne im März konnte nicht stattfinden und auch die bereits angemeldete Versammlung für eine Kidical Mass am 13. Juni in Münster haben wir jetzt zurück gezogen.

Umso wichtiger sind alternative Aktivitäten, mit denen wir auf unser Anliegen aufmerksam machen können. Hervorgegangen aus der bundesweiten Initiative ist eine Petition, die wir – für die Münsteraner Verhältnisse adaptiert – gerne aufnehmen und unterstützen.
Die zentralen Forderungen sind:

  1. Alle Kinder und Jugendlichen sollen sich sicher und selbständig mit dem Fahrrad in der Stadt bewegen können.
  2. Wir wollen für alle Menschen angstfreies Radfahren
  3. Tempo 30 für sicheren Straßenverkehr innerorts
  4. Münster muss wieder Fahrradstadt werden, denn nur eine Fahrradstadt ist eine kinderfreundliche Stadt!
  5. Nach StVO illegales Parken von Autos auf Gehwegen darf nicht länger geduldet, sondern muss sanktioniert werden. Alle Menschen sollen sich dort sicher und frei bewegen und den wegen des Corona-Virus gebotenen und notwendigen Abstand zueinander einhalten können
  6. Wir wollen mehr Platz für Radfahrende und Fußgehende – JETZT!
  7. Wir wollen autofreie Zonen und Orte, für eine lebenswerte und urbane Stadt der Begegnung

Unter https://weact.campact.de/p/ms-kidicalmass bitten wir euch, die Petition zu zeichnen und den Kreis der Unterstützer:innen zu vergrößern.

Ist Münster eine Fahrradstadt?

Auf Twitter räumt @jooobi mit dem Missverständnis auf, ob Münster noch eine Fahrradstadt sei oder nicht.

Dieser Thread und auch die daraus entstandene Diskussion wird später vom RUMS Brief am Dienstag aufgegriffen und nach weiteren Meinungen gefragt. Und Meinungen haben wir ja auch.

Das Schlaglicht auf den Münsteraner Fahrradstadt-Verkehr von @jooobi, welches ihr in eurem letzten Brief thematisiert habt, entspricht leider der Wahrheit und lässt sich nicht mit „Nörgeln auf hohem Niveau“ abtun. In dieser Argumentation, finde ich, besteht gerade ein wesentlicher Punkt: Für manche Verkehrsteilnehmer:innen im besten Alter, mit tollem Reaktionsvermögen und genug Mut, sich den Herausforderungen des täglichen Straßenverkehrs zu stellen, scheint alles halbwegs akzeptabel und „besser als im Pott“ zu sein.
Aber das ist eben auch eine eingeschränkte und vielleicht auch egoistische Perspektive. Was ist mit den Menschen, die nicht mehr so fit sind oder noch nicht so alt, das alle Sinne den oben angesprochenen Herausforderungen gerecht werden? Eine gute und gestaltenden Verkehrspolitik hat eben nicht nur die nüchternen Zahlen des Modal Split im Blick, sondern sieht auch die Aufgabe, allen Menschen die Teilhabe am städtischen Leben zu ermöglichen. Die einfache und gefahrlose Nutzung der Verkehrswege ist da eben ein wesentlicher Bestandteil.

Ich persönlich gehöre der Initiative „Kidical Mass Münster“ an, ursprünglich gab es einfach die Idee, eine Möglichkeit zu schaffen, Kindern auf eine andere Art den Verkehrsraum wahrnehmen zu lassen, so, wie es bei einer Critical Mass geschieht. Denn das Befahren der normalerweise den Autos vorbehaltenen Fahrspuren ist viel entspannter und auch kommunikativer. Vielmehr ist es ein „erhebendes“ Gefühl, so berichten die Kinder und Jugendlichen, gemeinsam und ohne Gefahr durch den Münsteraner Ludgeri-Kreisel zu fahren. Mit diesem Erlebnis hat man direkt einen anderen Blick auf die Infrastruktur für den Radverkehr, die Stellen, wo Münster laut OB Lewe „den roten Teppich ausrollt“. Die Infrastruktur ist in einem schlechten Zustand, zu klein dimensioniert, ganz wenig Fehler tolerierend; und sie wird in den Augen vieler Radfahrenden nur ganz langsam erneuert und verbessert. Wie wollen wir Kinder für ihr Leben zum Radfahren motivieren, wenn jede Tour mit so vielen Regeln und Vorsichtsmaßnahmen belegt werden, damit man unfallfrei durch einen Kanal von parkenden Autos durchgeschleust wird?
Hier ist ein anderer Aspekt des Themas „Fahrradstadt Münster“ zu sehen: Die laxen Kontrollen von Falschparkern, das kaum vorhandene Ahnden des Auto-Flächenegoismus. Anfang des Jahres wurden wir von RadioQ dazu befragt und haben unsere Meinung zum Thema mitgeteilt: https://www.radioq.de/dauerproblem-falschparken. Ich glaube, Kinder und Eltern wären schon froh, wenn es kein Falschparken mehr gäbe, wenn die 5m-Zonen im Kreuzungs-Bereich frei wären, wenn es Sichtachsen und -beziehungen gäbe, wenn Autofahrer:innen nicht zu knapp überholen würden oder wenn sie im Begegnungsverkehr immer das Tempo drosseln würden.

Noch ein letzter Punkt zum Fly-Over: Leuchtturm-Projekte sind besonders toll, wenn sie nicht nur der eigenen Nabelschau und Selbstverliebtheit dienen, sondern auch „visionär“ in die Zukunft zeigen. Vielleicht vormals räumlich abgekoppelte Stadtteile stärker an die Stadt binden (siehe die Brücke in Kopenhagen übers Wasser) oder Verkehrsbeziehungen ganz neu denken und neue Möglichkeiten schaffen. Diese Möglichkeiten sind beim Fly-Over aus meiner Sicht nicht aufgezeigt worden; was passiert mit dem Bereich unten, dem „alten“ Straßenraum, gibt es da auch eine Umverteilung? Der ADFC Münsterland hat auch geschrieben, das mit dem Fly-Over nur wenige der verkehrlichem Beziehungen der Verkehrssituation am Aasee adressiert werden, bei dem finanziellen Aufwand sicherlich ein guter Kritikpunkt.