PM: Kidical Mass rollt am 30. April durch Münster

Fahrraddemo für eine sichere und selbständige Teilnahme von Kindern am Straßenverkehr

Die Kidical Mass Münster lädt am 30. April zur ersten Familien-Fahrraddemo im Jahr 2022 ein – um 14 Uhr geht es am Stubengassenplatz los.

Pandemiebedingt wollte die „Kidical Mass“ in diesem Jahr noch nicht fahren – jetzt, bei besseren Wetterverhältnissen und geringeren Kontaktbeschränkungen in der Öffentlichkeit will die beliebte Familien-Fahrraddemo wieder dahin, wo sie hingehört – auf die Straßen Münsters. Das Ziel ist die sichere und autonome Teilnahme von Kindern und Jugendlichen am Straßenverkehr.

„So kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wollen wir noch einmal besonders auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr aufmerksam machen und Polizei und Stadt Münster zu zielgerichteten Maßnahmen auffordern“, sagt Stefan Blume, Organisator der Kidical Mass Münster.

Die Initiative hatte vor kurzer Zeit in einem Offenen Brief an OB Markus Lewe und den damaligen Polizeipräsidenten Falk Schnabel Maßnahmen für mehr Straßenverkehrssicherheit in Münster gefordert. Der zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte Unfallbericht belegt die Gefahren für Kinder und Jugendliche, durch regelwidriges Verhalten des MIV oder schlechte Infrastruktur zu Schaden zu kommen. Während PP Schnabel der Initiative bereits eine Stellungnahme zusandte, ist aus dem Rathaus bisher nichts zu hören. [Siehe Quellen]

Den Initiator*innen der Kidical Mass unterstützen die langfristig angelegten, planerischen Maßnahmen zu Velorouten und dem Fahrradnetz 2.0 der Stadt Münster, fordern jedoch mehr: „Wir wünschen ein klares Bekenntnis vom Oberbürgermeister bis hin zum Verkehrsplaner, dass Vision Zero in Münster Priorität hat“, so Daniel Hügel von der Initiative.

„Außerdem wollen wir die Menschen für eine nachhaltige Mobilität begeistern. Fahrradfahren muss sicher und bequem in der ganzen Stadt werden, nicht nur auf wenigen ausgewählten Straßen, damit alle Generationen aufsatteln und damit auch an der Stadt teilhaben können. Denn nur eine fahrradfreundliche Stadt ist auch eine lebenswerte und kinderfreundliche Stadt“, so Daniel Hügel von der Kidical Mass weiter.

Ab Stubengasse um 14 Uhr fährt die Kidical Mass 9 km in einem Tempo, bei dem alle mithalten können. Beim Zwischenhalt am Hafenplatz der Stadtwerke, der für 14.45 Uhr geplant ist, ist auch der entspannte Zustieg möglich, ab hier sind es noch 5 km bis zum Ziel an der Überwasserkirche. Dort erwartet alle kleinen und großen Teilnehmer eine süße Überraschung, die mit Münsters freier Gemeinschaftsküche auf Rädern „Pepe“ zubereitet wird.

Quellen:

Antwort der Polizei Münster auf unseren Offenen Brief

Am 30. März haben wir bereits eine Antwort von Polizeipräsident Falk Schnabel auf unseren Offenen Brief erhalten, die wir hier gerne veröffentlichen.

Wir finden es schade, dass sich der Polizeipräsident Falk Schnabel nur oberflächlich mit unserem Vorwurf des Framings in Pressemeldungen und Social-Media-Beiträgen der Polizei beschäftigt. Es ist nicht hinreichend, darauf hinzuweisen, dass Gegenbeispiele bei Facebook oder drastische Meldungen auf der Polizei-eigenen Seite gibt. Die Antwort des Polizeipräsidenten lässt darauf schließen, dass es ein großes fachliches Defizit und wenig Bewusstsein für richtige Formulierungen bei der Polizei Münster gibt.

Weitere Informationen zu Framing und Polizeimeldungen, die nach unserer Ansicht auch für Münster gelten:

https://www.iass-potsdam.de/de/blog/2021/04/wir-brauchen-eine-neue-sprache-fuer-die-verkehrsberichterstattung
https://www.tagesspiegel.de/berlin/konnte-nicht-mehr-bremsen-wie-polizeimeldungen-autounfaelle-verharmlosen/25450426.html

Neben dem Framing stellten wir in unserem Offenen Brief auch die Frage nach der Bewertung der eigenen Arbeit im Bereich Verkehrssicherheit, insbesondere unter dem Gesichtspunkt steigender Unfallzahlen bei Kindern und der Tatsache, dass die Unfallursachen in stark überwiegender Mehrheit beim motorisierten Individualverkehr zu suchen sind.

Für Polizeipräsident Falk Schnabel ist in der langen Darstellung der Aktivitäten der Dienststelle  Verkehrsunfallprävention/ Opferschutz (VUPO) klar, dass es ein Corona-Loch gebe, aber eine qualitative Aussage zu Rückwirkungen der Arbeit der Dienststelle und der Lage auf den Münsteraner Straßen nur schwer abzuleiten sei.

Die Kidical Mass bemängelt an dieser Stelle insbesondere die einseitige Fokussierung des Themas Verkehrssicherheit auf den Punkt Verkehrsunfallprävention in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Unfallzahlen machen klar, welche Zielgruppe mit welchen Maßnahmen stark ins Blickfeld gerückt werden muss: Der motorisierte Individualverkehr mit seiner täglichen freiheitlichen Interpretationen der Straßenverkehrsordnung.

https://twitter.com/Polizei_nrw_ms/status/1509520084166975496 – #Schwerpunktkontrolle im Stadtgebiet – 108 Verstöße an einer Kita in 3 Stunden

Der Polizeipräsident geht leider auch nicht auf die Arbeit der Polizei an Unfallschwerpunkten ein und kann auch keine Antwort darauf liefern, mit welchen Maßnahmen die Polizei plant, auf Erkenntnisse des Unfallberichts zu reagieren (z.B. Abstandsunterschreitungen oder Vorrangsmissachtung), um die Unfallzahlen zu beachten. Das Thema Gehwegparken kommt für Herrn Schnabel gar nicht vor.

Neben diesen Fragen haben wir in unserem Offenen Brief auch appelliert, die vielfach artikulierten Bedürfnisse der Bürger*innenschaft für eine Kommunikation auf Augenhöhe ernst zu nehmen und in ein dialogisches Verfahren einzutreten. Nach dem Lesen des Briefes scheint er aus unserer Sicht dazu kein Interesse zu haben und sieht Münster mit der Ordnungspartnerschaft vermeintlich gut aufgestellt.